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Schulprogramm
(verabschiedet auf der Schulkonferenz der ESPA
am 14. Februar 2008)
Was die ESPA ausmacht
Das Vorwort zum Schulprogramm
Die vorliegende Schrift ist der Versuch, die ESPA in Worte zu fassen.
Das erscheint fast unmöglich. Die vielen verschiedenen Ebenen und Inhalte des ESPA-Alltags sprechen jeden Menschen anders und auf vielfältige Weise an.
Wenn man zehn Schülerinnen oder Schüler fragen würde, was ihnen an der ESPA gut gefällt, würde man wohl zehn verschiedene Antworten bekommen. Genauso wäre es bei den Lehrerinnen und Lehrern.
Die folgenden Seiten sollen jemandem, der die ESPA noch nicht erlebt hat, einige der Grundsätze und Vorstellungen aufzeigen – es sind natürlich nicht alle!
Zunächst werden die drei programmatischen Säulen, auf die sich das Haus ESPA stützt, dargestellt:
Bilden – Begegnen – Verantworten
Daran schließen sich sieben Abschnitte an, die aufzeigen, welches die Ansprüche, Ziele und Wünsche der ESPA sind.
Kurz: Was die ESPA ausmachen soll.
Und nun:
Viel Spaß beim Lesen!
BILDEN
Berufliche Qualifizierung und persönliche Entwicklung
Bilden, darunter verstehen wir...
... Sachwissen und Handlungskompetenzen in den verschiedenen Bildungsgängen zu entwickeln, um theoretische Überlegungen mit den konkreten Anforderungen der beruflichen Praxis zu verknüpfen.
Bilden, darunter verstehen wir...
... die eigene Person mit ihren Vorerfahrungen und Kenntnissen in den Ausbildungsprozess einzubringen und an der Fähigkeit zur Reflexion persönlicher Stärken und Schwächen und lebensgeschichtlicher Erfahrungen zu arbeiten.
Bilden, darunter verstehen wir...
... die Auseinandersetzung mit weltanschaulichen Überzeugungen, ethischen Grundvorstellungen und eigenen Normen und Werten zu führen, um zu einer begründeten Haltung und zu einem fundierten Menschenbild für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Menschen mit und ohne Behinderungen zu gelangen. Dabei gewinnen wir Orientierung aus dem christlichen Glauben.
Bilden, darunter verstehen wir...
... auf ein ausgewogenes Verhältnis von Persönlichkeitsbildung und Theoriebezug zu achten und der Dynamik zwischen Lernenden und Lehrenden in den jeweiligen Bildungsgängen Raum zu geben.
Bilden, darunter verstehen wir...
... sich mit Werken der Kultur in Geschichte und Gegenwart eigenständig auseinander zu setzen und kulturelle Prozesse produktiv mitzugestalten.
BEGEGNEN
Lernen in Annahme und Auseinandersetzung
Begegnen, das heißt für uns...
... miteinander in Beziehung zu treten. Dabei steht die Beziehung zwischen Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern im Spannungsfeld zwischen der Annahme des Anderen in seiner Individualität und Lebensentwicklung einerseits und den realen Erfordernissen der Ausbildung und des Zusammenlebens in der Schule andererseits.
Begegnen, das heißt für uns...
... das Miteinander im gesamten Schulleben so zu gestalten, dass es ein Modell für die spätere berufliche Praxis ist. Dafür gibt es vielfältige Möglichkeiten und Orte des Austausches und der gemeinsamen Arbeit: im Unterrichtsalltag, in Projekten und Kulturveranstaltungen, im Tutorium und in Beratungsgesprächen. So ist die Klärung von Konflikten gleichzeitig ein Lernfeld für die aktuelle Begegnung miteinander und für die spätere Teamarbeit.
Begegnen, das heißt für uns...
... persönliche Entwicklungen auch im Lernort Praxis zu begleiten. Die Wissensvermittlung und das Erlernen von Methoden und Handlungs-
kompetenzen hat dabei einen ebenso wichtigen Platz wie die persönliche und soziale Auseinandersetzung und Reflexion.
Begegnen, das heißt für uns...
... einander wahrzunehmen und zu akzeptieren, sich zu hinterfragen, warum ich dem anderen so (in meiner Art und Weise) begegne. Ziel ist es zu verstehen, wie ich mir eine Begegnung wünsche, und zu erkennen, was der andere von mir brauchen könnte.
VERANTWORTEN
Selbstverantwortung und Verantwortung für andere übernehmen
und Stellung beziehen
Verantworten, damit unterstreichen wir...
... dass im Zentrum unseres Lehrens und Lernens die Partner und Partnerinnen unserer Arbeit stehen. Dieses sind vor allem Kinder, Jugendliche und Erwachsene in ihren Familien, in Kindertages- und Jugendhilfe-Einrichtungen, in Förderstätten, Wohnheimen und klinischen Einrichtungen.
Verantworten, damit unterstreichen wir...
... die Notwendigkeit, für die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen da zu sein. Wir betonen damit die pädagogische, pflegerische und sozialpolitische Sorge für andere und die Übernahme von Verantwortung für die eigene Lebensgestaltung.
Verantworten, damit unterstreichen wir ...
... den Aspekt der Kooperation im sozialen Feld. Wir stehen in engem Kontakt mit sozialpädagogischen und heilpädagogischen Verbänden, Einrichtungen und Initiativen, die wir auch in die Schule einladen oder in außerschulischen Lernfeldern besuchen. Mit ihnen zusammen setzen wir uns ein für die Interessen gesellschaftlich benachteiligter Gruppen und Minderheiten.
Verantworten, damit unterstreichen wir...
... die Wahrnehmung eines sozialpolitischen und berufspolitischen Auftrags. Die Mitarbeit in den Gremien unserer Schule, im Stadtviertel und in der Gemeinde gehört ebenso dazu wie das Engagement in aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen (z.B. bei der Geschlechterfrage, bei der Verurteilung von Gewalt gegen Kinder in jeglicher Form, bei aktuellen ethischen Diskussionen, bei Fragen des Rechtsextremismus, bei den Bemühungen um die Integration ausländischer Bürger und Bürgerinnen).
Die ESPA - eine evangelische Schule
Die ESPA ist eine Schule in evangelischer und diakonischer Trägerschaft, die von Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen besucht wird. Wir sehen in dieser Situation eine besondere Chance: Im Zusammentreffen und im Austausch verschiedener Erfahrungen, Prägungen und Überzeugungen kann das Verstehen des je Eigenen und je Anderen ermöglicht werden, können religiöse Fragen neu erschlossen und bedacht werden. Im Einbringen christlicher Haltungen und Traditionen sehen wir die Möglichkeit, Orientierung und Unterstützung für berufliche und persönliche Fragen zu geben. Wir hoffen, dass Schule in dieser Hinsicht auch als sinnstiftendes Lebens- und Lernfeld erlebt werden kann.
Das Kollegium der ESPA setzt sich ebenfalls aus Menschen unterschiedlicher Konfessionen und individueller Glaubensgeschichten zusammen. Gemeinsam ist uns das Bemühen, untereinander und mit den Schülerinnen und Schülern eine glaubwürdige Auseinandersetzung mit aktuellen Lebens- und Sinnfragen und Engagement für menschendienliche Veränderungen vorzuleben. Auf der Grundlage eines christlichen Menschenbildes, das wesentlich geprägt ist durch die vorbehaltlose Annahme des Menschen durch Gott und seine Beauftragung zu selbstverantwortetem Denken und Handeln, bemühen wir uns Stellung zu beziehen, wo immer dies um der Menschen willen in unserem Kontext nötig und sinnvoll erscheint. Indem wir aus dieser Grundhaltung Position beziehen, zeigen wir:
Wir sind keine neutrale Schule, wir sind eine evangelische Schule und wollen „Kirche für andere“ (Dietrich Bonhoeffer) sein.
Als Evangelische Sozialpädagogische Ausbildungsstätte in einem vorwiegend katholisch geprägten Umfeld sind wir eingebunden in eine kirchlich-diakonische Landschaft. Wir stehen in enger Verbindung mit evangelischen und katholischen Institutionen sowie mit konfessionell ungebundenen sozial- und heilpädagogischen Einrichtungen.
Als evangelische Schule haben wir Anteil an der Fülle des Lebens und stellen uns auch seiner Begrenztheit und Unvollkommenheit. Was heißt das konkret?
Unsere Schülerinnen und Schüler sind geprägt von individuellen Lebens-, Lern- und Glaubensgeschichten und werden so auch ernst genommen. Innerhalb des Religionsunterrichtes und darüber hinaus bemühen wir uns, Schülerinnen und Schüler als Individuen wahrzunehmen, ihnen zuzuhören, Anteil zu nehmen, sie zu verstehen und sie auf ihrem (Lern-) Weg zu begleiten.
Daher ist uns wichtig, in unserem Schulleben Denkräume und Gesprächsräume zu schaffen und Orte für gemeinsames Nachdenken, Reden und Handeln auch jenseits des Unterrichts anzubieten.
Ein fester Bestandteil unserer Schulkultur sind gottesdienstliche Feiern, Andachten und Meditationen. Sie bieten Gelegenheit für religiöse Rituale und spirituelles Erleben und machen Schulgemeinde erfahrbar. Wir werden auch in Zukunft nach neuen Formen suchen und sie miteinander entwickeln. Die Schulgemeinde öffnet sich, indem z.B. Fahrten zum evangelischen Kirchentag oder nach Taizé angeboten werden.
Ein weiterer Bestandteil unseres Schullebens ist das sogenannte „Forum“. Einmal im Monat unterbrechen wir den Unterrichtsvormittag, um uns als Schulgemeinde zu treffen und uns neu zu besinnen. Das Ritual des Unterbrechens ist jeweils mit einem anderen Angebot verbunden, für das Schülerinnen und Schüler wie Lehrerinnen nd Lehrer gleichermaßen verantwortlich sind: z.B. die Erinnerung an einen besonderen Gedenktag (etwa: Antikriegstag), eine szenische Lesung zum Geburtstag eines Schriftstellers, ein „Talk im Forum“ mit interessanten Personen, die Präsentation von Projektergebnissen.... Hier nutzen Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, ihr Engagement vorzustellen.
Wir sind davon überzeugt, dass das Evangelische kein separater Teil unseres Schullebens ist oder sich auf den Religionsunterricht begrenzt. Wir glauben vielmehr, dass sich im Alltag unseres Schullebens, in der Begegnung miteinander, in der Ausgestaltung und Akzentsetzung überall Mosaiksteine unseres christlichen Profils erkennen lassen.
Inwieweit wir dem oben formulierten Anspruch gerecht werden, eine „evangelische Schule“ zu sein, lässt sich letztlich wohl nur daran messen, welche Erfahrungen die Menschen machen, die hier zusammentreffen, und ob etwas von dem befreienden Geist des Evangeliums spürbar wird.
Die ESPA – ein sozialpädagogisches Berufskolleg
Als private Ersatzschule in evangelischer Trägerschaft vermittelt die ESPA ausschließlich staatlich anerkannte Bildungsabschlüsse. Die konkrete Gestaltung der einzelnen Bildungsgänge orientiert sich an den Anforderungen der Ausbildungs- und Prüfungsordnungen in der jeweils gültigen Version und an den Erfordernissen der beruflichen Praxis. Dabei nutzen wir den Spielraum, den die Gesetzgebung des Landes Nordrhein-Westfalen einer privaten Schule bietet. Die Bildungsangebote der ESPA ermöglichen es den Schülerinnen und Schülern, über berufliche Basisqualifikationen und Fachausbildungen hinaus weiterführende Berufsabschlüsse zu erwerben.
Dabei orientiert sich die Entwicklung unseres Ausbildungsangebotes an zwei Prinzipien: Zum einen bieten wir meist Bildungsgänge an, in denen die Schülerinnen und Schüler eine Doppelqualifikation erwerben können; dieses bedeutet die Verknüpfung eines allgemeinbildenden Schulabschlusses (FOR, FHR, AHR) mit einer sozialpflegerischen, sozial- oder heilpädagogischen Berufsausbildung. Zum anderen sind unsere Bildungsangebote so miteinander verknüpft, dass sie eine weitgehende Durchlässigkeit und Aufstiegsmöglichkeit unter einem Dach gewähren.
Die ESPA – ein Ort des Lernens und Handelns
Als sozialpädagogisches Berufskolleg hat die ESPA die Aufgabe, die Allgemeinbildung der Schülerinnen und Schüler zu fördern und ihre berufliche Handlungskompetenz zu entwickeln. Dazu gehören die notwendige Fachkompetenz und die Weiterentwicklung der personalen und sozialen Kompetenzen sowie die Fähigkeit, diese in der beruflichen Praxis angemessen einzusetzen. Die Lern- und Entwicklungsprozesse werden in Einzel- und Gruppengesprächen reflektiert. Die individuelle Beratung besitzt einen hohen Stellenwert an der ESPA.Die Schülerinnen und Schüler werden in ihrem Bildungsgang begleitet und zunehmend an Formen und Methoden der Erwachsenenbildung herangeführt. In Projekten, Gruppenarbeiten, Fachreferaten sowie Präsentationen gestalten die Schülerinnen und Schüler ihr Lernen zunehmend selbst und zeigen sich auf diese Weise mitverantwortlich für den Unterricht. Die Heterogenität der Lerngruppe wird methodisch berücksichtigt und als Chance begriffen.Fächerübergreifende Unterrichtsformen und Teamteachings bereiten auf die Anforderungen der Praxis vor. Damit verstärken wir die Kommunikation und Kooperation untereinander.Das Lernen in außerschulischen Handlungsfeldern unterstützt den Bildungsprozess der Schülerinnen und Schüler. In Sozialraum-Erkundungen, in der Vernetzung mit dem Stadtteil, in Veranstaltungen in der Stadt Münster, durch Studienfahrten und internationale Kontakte gelingt die Öffnung der Schule nach außen. Durch Tagungen, Workshops und Fachreferate, die an der ESPA stattfinden, beziehen wir zusätzliche fachliche Kompetenz in die Schule ein. Die Arbeit in kirchlichen, in sozial- und bildungspolitischen Gremien (Arbeitskreise des Diakonischen Werkes, Regionalkonferenzen, Landesarbeitsgemeinschaften und Bundesverband BeA und SVeA) fördert dank fachlicher Auseinandersetzung die Bildungsprozesse unserer Schülerinnen und Schüler.
Die ESPA – eine Partnerin der Praxis
Die Berufspraxis ist für uns der entscheidende handlungsorientierte Lernort. Dabei ist das Verhältnis der ESPA zu ihren sozial- und heilpädagogischen Praxisstellen geprägt von den Begriffen „Kommunikation“ und „Feed-back“.
Wir sehen unsere Aufgabe darin, die fachliche Kommunikation zwischen unseren Kolleginnen und Kollegen in der Praxis und den Schülerinnen und Schülern der ESPA zu unterstützen und reflektierend zu begleiten. Wir stehen mit der beruflichen Praxis in einem Prozess intensiver fachlicher Kooperation. Dazu gehören Hospitationen und Unterrichtsbeteiligungen genauso wie regelmäßige Praxisanleitertreffen und der kollegiale Austausch in Berufsverbänden und Arbeitsgemeinschaften.
Aus dieser Verknüpfung mit der sozial- und heilpädagogischen Berufspraxis entwickeln wir - unter Einbeziehung von Fachbeiräten - unsere Inhalte, Methoden, Konzepte und gegebenenfalls auch neue Bildungsgänge kontinuierlich weiter. Beide Seiten, die schulische und die berufspraktische, sind in diesem Prozess Lernende: So wie die ESPA von der Praxis lernt, so gibt sie ihrerseits Impulse und neue Erkenntnisse an die Praxis weiter und tauscht sich über Praxisanleitungen und Reflexionsgespräche mit ihr aus.
Die ESPA – eine Schule für Frauen und Männer
Die sozial- und heilpädagogische Berufspraxis wird überwiegend von Frauen gestaltet, während in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit und in der sozial- und heilpädagogischen Fachvertretung Männer dominieren. Die in den sogenannten „traditionellen Frauenberufen“ geleistete notwendige Arbeit erfährt hingegen gesellschaftlich nur geringe Anerkennung, z.B. ablesbar an Bezahlung und Status. Deshalb erscheint es uns wichtig, diese widersprüchliche Realität zu thematisieren.
Wir sind uns darüber im Klaren, dass „Geschlechtsbewusstheit“ eher eine Grundhaltung ist als ein zusätzlich zu behandelndes „Sonderthema“.
An unserer Schule wird Wert auf eine geschlechtergerechte Sprache gelegt, was sich unter anderem in der Gestaltung von Broschüren, Formularen, Flyern und im Unterrichts- bzw. Konferenzalltag zeigt.
All dies bedeutet für unseren Schulalltag immer wieder kritische (Selbst-)Reflexion und Auseinandersetzung aller Beteiligten.
So werden im Unterricht an der ESPA geschlechtsbezogene Aspekte in den Unterrichtsinhalten thematisiert, z.B. das Rollenverhalten von Mädchen und Frauen, von Jungen und Männern, die Situation alleinerziehender Mütter und die Konsequenzen einer geschlechtsbewussten Pädagogik, wie z.B. Mädchenarbeit/ Jungenarbeit. Hier gilt es in Zukunft noch konsequenter zu sein, um Geschlechtsbewusstheit grundsätzlich zu verankern. Dafür scheint uns zunächst ein fachlicher Austausch und eine Sammlung zu den schon durchgeführten Unterrichtseinheiten (mit entsprechenden Literaturtipps und möglichen Kooperationspartnerinnen und -partnern) sinnvoll zu sein. Insbesondere legen wir hier Wert auf eine Vernetzung mit anderen Institutionen (in Münster) sowie auf entsprechende Netzwerk-Kenntnisse, z.B. auch durch Einladung von Referentinnen und Referenten, oder durch Besuche in anderen Institutionen.
Aus Sicht der SV spiegelt sich unser Anspruch auch in der Frage wider, inwieweit Aufgaben in der Schülerinnen-/Schülervertretung gleichberechtigt von Frauen und Männern wahrgenommen werden.
Die ESPA – eine bunte und offene Schule
An die ESPA kommen jedes Jahr rund 200 neue Schülerinnen und Schüler mit individuellen Lern- und Lebenserfahrungen und unterschiedlichen Nationalitäten, Lebensanschauungen, Religionen und Begabungen. In einer Atmosphäre von Offenheit und Toleranz möchten wir Individualität respektieren und Vielfalt leben. Das bedeutet, unterschiedliche Fähigkeiten und Neigungen zu berücksichtigen und zu fördern, sowie Schülerinnen und Schüler mit Benachteiligungen in ihrer Sozialisation und Schulbiographie zu unterstützen, ihre Fähigkeiten, Lerninteressen und Lernwege zu entdecken.
Wir wollen zum Lernen motivieren und helfen, selbst gesteckte Ziele zu erreichen. So bieten wir z.B. in den Berufsfachschulklassen zusätzlichen leistungsdifferenzierten Unterricht in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik an, um Schülerinnen und Schülern je nach individuellem Leistungsstand fachliche Anregungen und Fördermöglichkeiten zu bieten.
Wichtig bleibt allerdings: Voraussetzung für die erfolgreiche Arbeit an der ESPA ist die grundsätzliche Bereitschaft, miteinander und voneinander zu lernen.
Dazu gehört ebenfalls die Verknüpfung von Unterricht und Lebenswelt, indem wir den Kontakt zu Menschen und Einrichtungen im Stadtteil suchen, z.B. zu Kindergruppen, Familien, Seniorentreffs und zum Stadtteilfest im Kreuzviertel.
Für unsere Ausbildungsstätte ist es wichtig, dass wir offen sind für das Engagement gesellschaftlicher und berufspolitischer Initiativen und Gruppen und u.U. auch unsere Räume zur Verfügung stellen.
Wir wollen - gerade unter Berücksichtigung der Verschiedenheit der hier Lehrenden und Lernenden – ein farbiges Schulleben gestalten. Dies geschieht durch Musik- und Varieté-Abende, Lesekreise in der Stadtbücherei, Theater-, Sport- und Kulturveranstaltungen sowie Schulpartys, die jeweils vor den Oster- und den Herbstferien einen Ausbildungsabschnitt ausklingen lassen.
Die ESPA – eine lernende Organisation
Als sozialpädagogisches Berufskolleg, das ein lebenslanges Lernen, ein Voneinander- und Miteinanderlernen im Blick hat, ist die ESPA nicht nur eine lehrende, sondern auch eine lernende Organisation. Durch ihre Verknüpfung mit der Berufspraxis und der Fachöffentlichkeit ist sie offen und innovationsbereit für Entwicklungen in den unterschiedlichen Bereichen.
Sie reagiert flexibel auf berufspolitische und bildungspolitische Veränderungen, indem sie ggf. neue Bildungsgänge einrichtet und innovative Konzepte dazu entwickelt. Die ESPA stellt sich den aktuellen Praxisanforderungen durch fachlichen und persönlichen Austausch mit den Praxisstellen. Die Betreuungskonzepte für die Praktika werden mit Vertreterinnen und Vertretern der Praxis ständig reflektiert und weiter entwickelt.
Die Erarbeitung eines geeigneten Instrumentariums zur Evaluation der Bildungsgänge und der Schule als Gesamtorganisation ist für uns selbstverständlich. Der Schule ist es wichtig, auch durch Rückmeldungen von Praxisstellen und von ehemaligen Schülerinnen und Schülern ihre Angebote kritisch zu überprüfen und ihre Organisationsstrukturen transparent zu machen.
Die ESPA befindet sich in einem ständigen Diskussionsprozess mit dem Ziel, Organisationsstrukturen aller Art weiter zu verbessern, um weitgehende Transparenz der Leitungsentscheidungen zu erreichen.
Die überschaubare Größe und die kollegiale Zusammenarbeit des Lehrerkollegiums ermöglichen eine besondere Konferenzkultur, aber auch Absprachen auf informeller Ebene und andere Formen kollegialer Unterstützung.
Es entspricht dem Selbstverständnis unserer Schule, die Schülerschaft möglichst intensiv an den Prozessen des Voneinander- und Miteinanderlernens und der Mitwirkung zu beteiligen.
Es ist uns wichtig, dass die Kontinuität der SV-Arbeit auch während längerer Praktikumszeiten gewahrt wird. Hierzu finden regelmäßige SV-Sitzungen und Gespräche zwischen Schulleitung und SV statt.
Außerdem nimmt die Schülerschaft ihren Einfluss wahr: im Unterricht, in Konferenzen und über persönliche Gespräche und Begegnungen mit den Lehrerinnen und Lehrern außerhalb des normalen Schulalltags.
Was die ESPA plant
Ein Berufskolleg wie die ESPA muss sich stets weiter entwickeln, damit es für Bewerberinnen und Bewerber, aber auch für neue Lehrkräfte attraktiv bleibt.
Die ESPA plant z.Zt. einen sog. Aufbaubildungsgang „Sprachförderung für Erzieherinnen und Erzieher“ im Umfang von 600 Std., mit dem sie auf die gestiegenen Erfordernisse des Berufsfeldes reagiert.
Ebenso gibt es Planungen, mit der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld einen modularisierten und verkürzten Bachelor-Studiengang zu beantragen, der den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unserer Fachschule für Heilpädagogik den Zugang in den Hochschulbereich eröffnen könnte.
Im ersten Jahr erproben wir z.Zt. einen religionspädagogischen Zusatzkurs für unsere angehenden Erzieher- und Erzieherinnen im Umfang von ca. 80 Stunden, der vor allem an Wochenenden stattfindet und von unserer Schulpfarrerin geleitet wird. Falls dieses religiöse Angebot weiter Anklang findet, werden es zu einer dauerhaften Ergänzung der pädagogischen Qualifikation ausbauen.
Seit einiger Zeit drängt sich in unserer Gesellschaft und auch in der ESPA die Frage auf, was eine Schule dazu beitragen könne, dass sich die dort arbeitenden und lernenden Menschen auch gesundheitlich wohlfühlen. Wir haben deshalb eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich mit Fragen des Arbeits- und Gesundheits- schutzes, der Gesundheitsförderung und des Krisenmanagements beschäftigen wird. Die Anregungen aus dieser Arbeit könnten wesentliche Impulse für ein künftiges Kapitel im Schulprogramm „Die ESPA – eine gesunde Schule“ liefern.
(Stand August 2009)
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